„Ich empfehle meinen Lesern Finanzbücher, die im Idealfall zur aktuellen Gemengelage an den Börsen passen.“ – Im Gespräch mit Ulrich W. Hanke (WirtschaftsWoche)

Interview vom Freitag, 4. November 2011

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Klaus-Martin Meyer: Herr Hanke, Sie bloggen unter www.hankes-boersen-bibliothek.de. Könnten Sie sich und Ihr Blogprojekt bitte unseren Lesern kurz vorstellen?

Ulrich W. Hanke: Ich empfehle meinen Lesern Finanzbücher, die im Idealfall zur aktuellen Gemengelage an den Börsen passen. Getreu dem Motto: Bewerten Sie tagesaktuelle Nachrichten bloß nicht über, wie es so viele Anleger tun. Zu den Börsennews rund um die Uhr, sind Bücher ein schöner Kontrast. Und warum nicht einfach von den erfolgreichsten Investoren lernen und sie kopieren. Zum Glück haben die meisten dieser Stars wie Peter Lynch, George Soros oder Jim Rogers ein Buch geschrieben. Natürlich bringe ich auch meine eigene Note und Meinung mit ein und biete den Lesern damit eine Orientierung im undurchsichtigen Finanzdschungel. Eine Redakteurskollegin bei der WirtschaftsWoche hat mir deshalb schon den Spitznamen „Börsen-Bibliothekar“ verpasst. Ich bin 34 Jahre alt, stamme aus der Finanzmetropole Frankfurt und habe dort Betriebswirtschaftslehre studiert. Mehr zu meiner Person finden Sie in meinem Blog.

Klaus-Martin Meyer: Was war die Motivation Ihren Blog zu starten?

Ulrich W. Hanke: Es kommt in unserer heutigen Zeit eigentlich kein Bundesbürger mehr daran vorbei, seine Vermögensverwaltung – zumindest stückweit – in die eigenen Hände zu nehmen. Wer sich nicht ausreichend auskennt, der sollte Bücher lesen. Aus ihnen können Anleger viel lernen. Und eine Symbiose aus Geldanlage- und Buchtipps, einen solchen Blog, gab es bis dato noch nicht. Übrigens, glauben Sie nicht, Privatanleger könnten bei der Geldanlage nicht besser abschneiden als Profis – ganz im Gegenteil. Privatanleger haben große Vorteile gegenüber Fondsmanagern und Großinvestoren. Bis die auf ein erfolgreiches Unternehmen aus der Nachbarschaft eines Privaten aufmerksam werden, in das sie mit ihrem großen Volumen auch noch investieren können, hat dies der Privatanleger längst im Depot.

Klaus-Martin Meyer: Und was sind aus Ihrer Sicht die bisher interessantesten Ergebnisse dieser besonderen Form des Publizierens?

Ulrich W. Hanke: Für mich als Printjournalist ist die direkte Kommunikation am reizvollsten. Der klassische Leserbrief erreicht einen doch eher seltener. Deshalb ist das Blog mit Kommentarfunktion eine tolle Möglichkeit, mit den sonst anonymen Lesern in Kontakt zu treten. Zum Bloggen gehören aber auch zwingend der Kurznachrichtendienst Twitter und das soziale Netz Google+, denn leider müssen Blogger für ihre Texte – ich auch – immer noch große Werbung machen. Entweder die Blogger und ihre Seiten sind relativ unbekannt, oder die Blogs verstecken sich auf riesigen Seiten und sind schwer zu finden. Wenn Sie sich wundern, dass ich Facebook nicht erwähnt habe, ich erachte die Seite eher als Plattform für private Kontakte, benutze sie aber selbst auch beruflich. Ich hätte im Vorfeld nie gedacht, so schnell, so viele Leser zu gewinnen. Ich bin von Anfang an – mein Blog läuft seit Mai 2011 – unter den meistbesuchten Blogs der Wiwo gewesen.

Klaus-Martin Meyer: Ist es einfacher unter dem Dach der Wiwo zu bloggen als selber einen Blog zu initiieren?

Ulrich W. Hanke: Natürlich ist Bloggen mit der WirtschaftsWoche im Rücken einfacher, erreicht man doch auf Anhieb mehr Leser. Doch in Gestaltungsfragen bin ich natürlich auch stark gebunden. Die WirtschaftsWoche ist eine starke Marke von der ich profitiere. Irgendwann bin ich dann vielleicht eine Marke und die Wiwo profitiert wiederum von mir.

Klaus-Martin Meyer: Ich halte die Spekulation auf Gold für eine ewige Blase. Angeblich liegt 30 Prozent allen jemals produzierten Goldes unter hohen Opportunitätskosten allein in den Tresoren der Zentralbanken. Warum liege ich seit Jahren falsch?

Ulrich W. Hanke: Die Frage ist doch gar nicht, ob Sie falsch liegen oder nicht. Die Frage ist, liegt die Masse falsch? Und in den meisten Fällen ist das so, das lehrt uns die Geschichte, das lehren uns Bücher. Es gibt zwei Wege, um an der Börse erfolgreich zu sein: Anleger können mit der Herde zusammen Gewinne einstreichen, das nennt man dann auch Momentum-Strategie. Das geht solange gut, bis sich der Trend ändert und dann geht es rasend schnell noch unten. Oder sie positionieren sich gegen die Masse, sind ein Contrarain, und hoffen dann, die Masse erkennt irgendwann ihre Schätzchen. Beide Wege können auf ihre Weise gefährlich sein. Gold sollte man im Depot haben, aber sich nicht der Hysterie hingeben. Ich empfehle derzeit vor allem Aktien zu kaufen, auch diese sind ein Inflationsschutz und viel billiger als Gold zu bekommen.

Klaus-Martin Meyer: Zum Abschluss unsere Standardfrage. Worüber werden Sie sich in fünf Jahren im Blog den Kopf zerbrech

Ulrich W. Hanke: Ich hoffe, dass es nicht mehr Gold und der Euro sein werden. Aktien sind sicherlich auch in fünf Jahren noch die beste Anlageklasse – zu dieser Aussage lasse ich mich heute gerne hinreißen. Vielleicht stelle ich in fünf Jahren auch mal ein eigenes Buch in meinem Blog vor.

Quelle: www.interview-blog.de/wie-ueber-uns/hankes-boersen-bibliothek/

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